Die Kommunikation verknallter Grashüpfer

Mit Zirpen und Knallen werben paarungswillige Grashüpfer-Männchen um die begehrten Weibchen


Steckbrief Grashüpfer: Allgemeine Fakten zum grünen Insekt

Grashüpfer sind Fluginsekten aus der Familie der Feldheuschrecken. Weltweit gibt es 28.000 unterschiedliche Heuschreckenarten (lat. „Orthoptera“), die alle Landstriche bevölkern.

Ein grüner Grashüpfer auf einem hölzernen Untergrund in einer Nahaufnahme.
Feldheuschrecken wie der Grashüpfer haben starke Beine und springen über zwei Meter weit. (Geri-oc/Wikimedia Commons)

Was haben Grashüpfer und andere Heuschrecken gemeinsam? Zum Beispiel, dass sie mit ihren starken Beinen sehr weit springen können. Daher rührt auch der Namensbestandteil „schrecken“ in „Heuschrecke“. Dieses Wort stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „aufspringen“. Manche bezeichnen die sprunghaften Tiere auch heute noch als „Schrecken“.

Heuschrecken teilen sich in die Unterordnungen Langfühler- und Kurzfühlerschrecken auf, zu letzteren zählt der Grashüpfer. Die Familie der Grashüpfer ist in Europa mit mehr als 25 Arten vertreten. Besonders bekannt und vor allem bei Kindern beliebt, ist der hellgrüne gemeine Grashüpfer, aber diese Heuschrecken gibt es in diversen weiteren Farben.

Was man über Grashüpfer wissen sollte

Ein brauner Grashüpfer sitzt auf einem horizontalen Halm.
Das Zirpen von Grashüpfern hört man im Sommer aus vielen Wiesen. (G.-U. Tolkiehn/Wikimedia Commons)
  • Die grünen Insekten kommunizieren insbesondere rund um die Paarung auf vielfältige Weise lautstark miteinander.
  • Grashüpfer leben bevorzugt im Grünland: In Wiesen, auf Feldern, am Waldrand, in Parks oder auf Verkehrsinseln – überall, wo Grashalme wachsen, zwischen denen sie hin- und herhüpfen.
  • Das Zirpen dieser Feldheuschrecken wird gerne mit einer lauen romantischen Sommernacht verbunden. Grashüpfer erzeugen die lauten Töne mit ihren Hinterbeinen.
  • Ausgewachsene Grashüpfer-Männchen und –Weibchen können nicht fliegen, sondern bewegen sich hüpfend und springend fort. Die Tiere nutzen aber ihre Flügel zur Verstärkung der Zirp-Laute und als Segel bei der Fortbewegung.

Wofür stehen Grashüpfer?

Diese flinken grünen Heuschrecken haben eine vielfältige und ambivalente Symbolik. Grashüpfern werden zum Beispiel folgende Begriffe und Eigenschaften zugeschrieben: :

Ein grüner Grashüpfer sitzt auf zwei roten Blüten.
Grashüpfer assoziiert man mit Kindlichkeit, aber auch mit Zerstörung. (BohunkaNika/Wikimedia Commons)
  • Sprunghaftigkeit – weil sie mit ihrer Sprungkraft blitzschnell an einem anderen Ort sind
  • Fortschritt und Entwicklung – weil sie nicht lange auf einem Grashalm sitzen bleiben
  • Reichtum und Überfluss – weil sie für viele Menschen proteinreiche Nahrung sind
  • Zerstörung und Katastrophen – weil sie sich in Schwärmen zusammentun und ganze Ernten vernichten
  • Kindlichkeit, Leichtigkeit, Abenteuerlust, Offenheit – weil sie mühelos und fröhlich über die Wiese hüpfen und sehr kommunikativ sind

Ein kleiner grüner Grashüpfer sitzt auf einem menschlichen Finger.
Wie erzeugen die winzigen Tiere ihren charakteristischen Gesang? (Amrei-Marie/Wikimedia Commons)

Wir haben gelernt: Grashüpfer sind artenreiche Heuschrecken, die im Grünen leben und weit springen können. Sie werden zwiespältig wahrgenommen, aber vor allem als kindlich und frech gesehen– Kinder lieben dieses Heupferd. Ihr Zirpen ist die perfekte Hintergrundmusik fürs romantische erste Date.

Aber wie erzeugen Grashüpfer eigentlich so laute und penetrante Geräusche? Und vor allen Dingen, warum? Zirpen sie nur oder kommunizieren sie auch mit anderen Klängen?


Grashüpfer: Kommunikation mit Gesang

Wer hätte eine solche große Vielfalt an Geräuschen bei einem Grashüpfer erwartet? In den späten Abendstunden hört man ihre romantischen Gesänge oder ihr lautes, aufforderndes Zirpen. Ein beständiges Summen und Ticken erfüllt die Nacht, ohne dass man sagen kann, woher diese Töne überhaupt kommen.

Zwei bunte Grashüpfer kommunizieren mit ihren Fühlern, während sie auf dem Waldboden sitzen.
Zwei Grashüpfer im Gespräch – die Heuschrecken sind sehr kommunikativ. (Pexels)

Nur wer genau hinschaut, sieht den zierlichen Grashüpfer – versteckt und gut getarnt – irgendwo in der Wiese oder am Waldrand sitzen. Wir schauen fasziniert zu, wie er seine langen Beine hin- und herbewegt. Er streicht mit den Hinterbeinen über die Flügel. Das Geräusch ist hell und rasselnd. Die Flügel stehen dabei wie ein Dach über dem Leib und bilden so den Resonanzkörper. Mit solch einem Balzgesang locken die Männchen die Weibchen an, denn es ist Paarungszeit. Ein anderes Lied dieser Heuschrecke dient dazu, dem Rivalen zu sagen „Hier ist mein Revier! Es ist kein Platz für dich!“

Das Balzlied – Zirpende Töne der Verliebten

Zwei bunte Grashüpfer kommunizieren auf einem Grashalm sitzend.
Grashüpfer locken ihre Partner mit Gesang an. (Pexels)

Nicht das lauteste, aber das schönste Lied der Grashüpfer ist das Balzlied. Dieser Love-Song wird häufig von Männchen und Weibchen gemeinsam gezirpt.

Die lustigen bunten Heuschrecken kennen noch eine weitere Art der Kommunikation: Sie schicken Knalle durch das Gras und warten ab, was passiert. Wie knallen Grashüpfer?


Verknallte Grashüpfer auf Kontaktsuche

Grashüpfer nutzen eine besondere Form der Kommunikation, um ihre Bereitschaft zur Paarung zu zeigen. Dabei kommt bei den Männchen und Weibchen ein bestimmtes Organ zum Einsatz: ihr Bauch.

Indem Grashüpfer mit dem Bauch knallen, können sie sich in den Wiesen und Feldern unterhalten und sogar flirten. Den Knall erzeugen die Tiere durch einen heftigen Stoß mit dem Bauch gegen den Grashalm oder die Pflanze, auf der sie sitzen. Dadurch schwingt das Gras; die Vibration wird von Halm zu Halm weitergetragen und andere Artgenossen in der Wiese hören und spüren die Schallwellen.

Ein grüner Grashüpfer klammert sich mit den Beinen um einen dicken grünen vertikalen Pflanzenstängel.
Grashüpfer bringen Grashalme mit ihrem Bauch zum Schwingen – das hören ihre Artgenossen. (Pexels)

Biologen bezeichnen den Bauch des Grashüpfers deshalb auch als Knall-Organ (engl. „Snapping Organ“). Diese Form der findigen Kommunikation hilft dem „verknallten“ Grashüpfer dabei, eine passende Partnerin für die Paarung zu finden.  Das ausgeprägte Balzverhalten zeigt sich also nicht nur in den bereits erforschten variantenreichen Gesängen des Grashüpfer-Männchens – sondern auch in der Knall-Erzeugung.

Gras-Buschfunk: Partnersuche mit dem Bauch

Ihren Bauch nutzen die grünen Heupferde grundsätzlich, um Kontakt zu Artgenossen aufzunehmen. Die Schwingungen zwischen Männchen und Weibchen bzw. den Gras-Buschfunk können Menschen allerdings nicht sehen oder hören. Nur für die kleinen Heuschrecken ist das Auslösen der Vibrationen mit ihrem Knall-Organ ein wichtiges Kommunikations-Instrument und von den anderen Tieren wahrnehmbar.

Balzen wird in der Tierwelt sehr häufig beobachtet. Die Kommunikation mit knallenden Bäuchen scheint jedoch ein einzigartiges Phänomen bei Grashüpfern zu sein. Doch wie geht es nach der Kontaktanbahnung weiter? Wie paaren sich diese grünen Insekten eigentlich?


Wie haben Grashüpfer Sex?

Zwei Grashüpfer paaren sich auf einem grünen Pflanzenstängel.
Grün in grün – Ob das Männchen oder das Weibchen oben sitzt, ist bei der Grashüpfer-Paarung oft schwer zu erkennen.
(Pexels)

Im Sommer zirpt und summt es auf den Wiesen: Grashüpfer-Kommunikation. Grashüpfer werben, wie alle Heuschrecken, um einen Partner für die Paarung. Wie der sexuelle Akt anderer Tiere dreht sich ihr Liebesspiel ganz um die beiden Protagonisten: das Männchen und das Weibchen. Vor dem Sex müssen beide ihre Rolle perfekt beherrschen. Nur dann kommt es zur Paarung. Doch wer ist wer bei der Heuschrecken-Balz? Klarheit verschafft ein Blick aufs Hinterteil.

Auffallend beim Weibchen ist der lange Legebohrer. Der stachelartige Anhang dient der Eiablage. Beim Männchen zieren zwei zangenartige Greifer die Rückseite. Damit packt der Werber das Weibchen vor dem Verkehr und fixiert es. Ebenfalls am männlichen Körper erkennbar sind die dornförmigen Titilatoren. Diese sind selbst keine Geschlechtsorgane, sondern dienen der Verlängerung des Sexualaktes. Der Penis selbst ist kein penetrierendes Organ, sein Aussehen ähnelt eher einem Löffel. Damit befestigt das Männchen ein Samenpaket am Unterleib seiner Partnerin, die so genannte Spermatophore.

Beim Männchen zählt die Größe – die der Spermatophore

Diese dient als Behälter für die Spermien und ist zugleich so etwas wie ein Brautgeschenk des verliebten Männchens. Der Bräutigam lässt sich besser nicht lumpen, denn im Verlauf weniger Stunden verzehrt das Weibchen die komplette Spermatophore – und wenn die zu klein ist, den Nachwuchs gleich mit. Quasi als kleines Dessert nach dem Sex.

Bevor es aber überhaupt zum Verkehr kommt, muss der Werber erst zum Günstling seiner Angebeteten aufsteigen. Kein Sex ohne Vorspiel, zuerst versuchen die Grashüpfer-Männchen, die Partnerin mit ihrem Balzgesang zu überzeugen. Den Gesangsvortrag zirpen sie im Chor, entscheidend für den Reiz auf das Weibchen sind Tonlage und Tonhöhe der Strophen. Kommunikation ist alles: Bei Interesse stimmt die Umworbene in das Lied mit ein und signalisiert so dem künftigen Geliebten ihre Zustimmung. Dieser tut gut daran, auf dieses Einverständnis zur Paarung zu warten, denn unerlaubte sexuelle Übergriffe werden durch einen Schlag mit dem Hinterbein bestraft.

Weg mit dem Ex!

Eine Methode, konkurrierenden Männchen gar nicht erst die Chance zur Paarung zu geben, benutzt die Gespenstschrecke. Sie wird oft fälschlicherweise Stabheuschrecke genannt, obwohl sie gar keine richtige Heuschrecke ist und auch nicht springen kann. Dafür aber ist das Insekt beim Sex sehr ausdauernd und kopuliert bis zu 10 Wochen lang. Eine derartig phänomenale Ausdauer beim Koitus lässt konkurrierenden Liebhabern oft gar nicht erst die Zeit, zum Zug zu kommen.

Ist der Balzwettbewerb entschieden, beginnt hingegen der männliche Grashüpfer damit, die Spermien seines Vorgängers zu entfernen. Dazu schiebt sich der Werber mit seiner Subgenitalplatte, eine Art verwachsener Bauchplatte, unter die Partnerin. Indem er alle Samen des „Exfreundes“ beseitigt, geht der umsichtige Liebhaber sicher, dass er der Vater des Nachwuchses ist.

So funktioniert der Grashüpfer-Sex

Video „Hemmungslose Heuschrecken”: So paaren sich Grashüpfer.


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Memes zum Liebesleben der Grashüpfer

Der Instagram-Account @verknalltegrashüpfer mit Memes zur Grashüpfer-Kommunikation.

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